Karl-Josef Laumann tat an einem Abend im März 2012 im Restaurant „Ruhmöller“ in Sinningen etwas, das für einen Politiker seines Kalibers nahezu beispiellos war. Er bedankte sich bei seiner Frau Agnes, bevor er sich nach einer einstimmigen Nominierung mit 53 von 53 Stimmen – ohne Enthaltungen oder Gegenstimmen – an die applaudierende Menge wandte. Keine extravaganten Inszenierungen. Kein inszenierter Moment. Einfach ein Mann, der sich seiner Verpflichtungen gegenüber seiner Frau bewusst war.
Agnes Laumann bekleidet kein politisches Amt. Sie hält keine Reden, gibt keine Interviews und tritt nicht vor die Kameras. Damit ist sie in der nordrhein-westfälischen Landespolitik eine Ausnahmeerscheinung. Agnes Laumann lebt ein Leben, das bewusst aus dem Rampenlicht ferngehalten wird, während ihr Mann als einer der prominentesten Gesundheits- und Sozialminister Deutschlands seit Jahrzehnten Plenardebatten, Bundesparteitage und Diskussionen über die Pflege meistert. Es ist unklar, ob sie das so will oder ob das Paar diese Entscheidung gemeinsam getroffen hat.

Beide wohnen in Riesenbeck, einem winzigen Ortsteil von Hörstel im Münsterland. Der Begriff „bodenständig“ steht für eine Lebensart im Münsterland, wie jeder bestätigen wird, der die Region kennt. Riesenbeck ist weder eine Großstadt noch Schauplatz politischer Karrieren. Dennoch lebt hier seit Jahrzehnten einer der einflussreichsten CDU-Politiker des Landes. Obwohl Berlin und Düsseldorf Laumanns Alltag längst bestimmt hatten, lebte er weiterhin dort mit Agnes, nachdem er dort aufgewachsen war, seinen Wehrdienst abgeleistet und als Maschinenbauer gearbeitet hatte.
Karl-Josef und Agnes Laumann haben gemeinsam drei Kinder großgezogen. Mittlerweile sind alle drei erwachsen. Auf den ersten Blick mag das unauffällig erscheinen, doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich etwas Erstaunliches. Laumann war in den 1990er Jahren Abgeordneter im Bundestag in Bonn und Berlin. Ab 2005 pendelte er als Arbeitsminister von Nordrhein-Westfalen nach Düsseldorf. Von 2013 bis 2017 war er Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium – erneut auf Bundesebene und fernab von Riesenbeck. Während dieser ganzen Zeit war Agnes Laumann die Konstante zu Hause. Das ist eine beachtliche Leistung.
Über jemanden zu schreiben, der das Rampenlicht meidet, ist eine Herausforderung. Es gibt nur sehr wenige Interviews mit Agnes Laumann, nur sehr wenige Bilder aus ihrem Privatleben und nur sehr wenige Zitate aus ihrem eigenen Mund. Das meiste, was wir wissen, stammt von ihrem Ehemann und den wenigen Gelegenheiten, bei denen Laumann öffentlich über seine Familie spricht. Das kommt selten vor, aber wenn, dann mit einer natürlichen Herzlichkeit.
Laumann wurde oft als „Poltergeist der sozialen Sache“ bezeichnet – als ein Mann, der seine Stimme erhebt, wenn er es für notwendig hält, der schwierige Wahrheiten ausspricht und gesellschaftliche Normen missachtet. Jemand, der als Realschüler ohne Abitur oder Hochschulabschluss Staatssekretär auf Bundesebene wurde – eine in der Geschichte der Bundesrepublik bisher beispiellose Entwicklung. Dieser Weg ist nicht nur das Ergebnis politischer Geschicklichkeit oder Beharrlichkeit. Während der eine daran arbeitet, die Welt zu verändern, gibt es zu Hause eine andere Person, die das Fundament aufrechterhält.
Agnes Laumann ist in der Politik nicht präsent. Doch an jenem Märzabend in Sinningen war sie kurz zu sehen, als ihr Mann ihr dankte und mit leiser Stimme sagte: „Ich nehme die Wahl an.“ Als Mensch, dem von einem anderen Menschen öffentlich gedankt wurde, nicht als politische Verbündete oder als verlängerter Arm eines Politikers. Manchmal sagt das mehr als jede Biografie.
Es ist unklar, ob das Paar in den kommenden politischen Jahren gemeinsam in Riesenbeck bleiben wird. Seit Mai 2024 ist Laumann zudem stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU, was seinen politischen Einfluss verstärkt hat. Doch eines scheint gleich zu bleiben: Agnes Laumann, die stille Konstante im Leben eines sehr redegewandten Politikers, ist nach wie vor in Riesenbeck, im Hintergrund, und offenbar genau dort, wo sie sein möchte.
