In den Wiener Medienkreisen gibt es Geschichten, die schon lange im Raum stehen. Und dann gibt es Geschichten, die plötzlich hochkochen – in einer Krise, mitten in der Nacht oder in einer Institution, die ohnehin schon unter Druck steht. Pius Strobl und seine neue Freundin stehen im Mittelpunkt gleichzeitiger Ereignisse beim ORF (Österreichischer Rundfunk).
Der 1956 in Wiener Neustadt geborene Strobl ist eine fast unverzichtbare Figur in der österreichischen Medienlandschaft, obwohl er eigentlich gar nicht mehr dort sein dürfte. Er war Wrabetz’ engster Vertrauter, Mitbegründer der Grünen, trat 2010 spektakulär zurück, nachdem ihm vorgeworfen worden war, Stiftungsvorstände abgehört zu haben, und tauchte dann nach und nach wieder auf, als wäre nichts geschehen. Zunächst als Berater, dann als Angestellter und schließlich als Leiter einer bedeutenden Abteilung mit einem Jahresgehalt von fast 470.000 Euro. Mehr sogar als der Generaldirektor. Denken Sie mal darüber nach.

Nun, da eine Frau in sein Leben getreten ist, sind viele Fragen aufgeworfen worden. Sie arbeitet direkt unter Strobls Aufsicht in seiner Abteilung, ist Berichten zufolge etwa 22 Jahre jünger als er und laut durchgesickerten Informationen zudem Amateurmusikerin. Was zunächst wie eine private Angelegenheit erschien, entwickelte sich rasch zu etwas anderem: Strobl wird vorgeworfen, ihr Auftritte in Sendungen verschafft zu haben, die in seinen Zuständigkeitsbereich fallen. An diesem Punkt ist eine Liebesgeschichte nicht mehr einfach nur eine Liebesgeschichte.
Auf diese Berichte reagierte Strobl selbst mit einer fast schon komischen Direktheit. Auf die Frage, ob die betreffende Frau seine Partnerin oder Freundin sei, schrieb er: „Nein, das ist nicht richtig und NEIN und NEIN.“ Alle drei Wörter sind großgeschrieben. Es fällt schwer, dies nicht als eine Antwort zu sehen, die mehr preisgibt, als sie zu verbergen sucht. Wenn hinter einer Dementierung wirklich nichts steckt, klingt sie selten so emotional.
Die Tatsache, dass diese Frau auch in den Fall um den ehemaligen Generaldirektor Roland We”mann verwickelt ist, macht die Situation noch komplexer. Sie behauptete, We”mann habe sie sexuell belästigt. Seit Jahren sind We”mann und Strobl erbitterte Rivalen, weil einer von ihnen sich weigerte, dem anderen die von Wrabetz ausgehandelte großzügige Pensionsvereinbarung zu gewähren. All das könnte reiner Zufall sein. Dieser Zufall mag aber auch schwer zu akzeptieren sein.
Die Geschichte wird dadurch erschwert, dass die Frau mittlerweile in Strobls Abteilung arbeitet und sich die beiden Berichten zufolge gut verstehen. Es ist nachvollziehbar, dass die Journalistin Anna Thalhammer vom „Profil“ schrieb, sie hätte es in diesen Tagen vorgezogen, verdeckt in der ORF-Zentrale zu recherchieren. Wenn Machtstrukturen mit zwischenmenschlichen Beziehungen kollidieren, entstehen Situationen, die sich nur schwer klar einordnen lassen.
Zudem durchlebt der ORF derzeit selbst eine schwierige Zeit. Die Interims-Generaldirektorin ist Ingrid Thurnher, und Mitarbeiter können Beziehungen über ein Formular im Intranet melden. Es ist eine gut gemeinte Maßnahme, wirft aber natürlich die Frage auf, ob sie auch für die Spitzenkräfte gilt. Es scheint, als würden die Regeln in den Chefetagen gelegentlich anders gehandhabt.
Strobl ist ein schwieriger Charakter. Durchhaltevermögen ist etwas, das jeder bestätigen kann, der einen Abhörskandal übersteht und anschließend zum bestbezahlten Manager eines öffentlich-rechtlichen Rundfunkunternehmens wird. Menschen, die immer wieder zurückkommen, egal was in der Vergangenheit passiert ist, werden in Wien stillschweigend bewundert. Zu dieser Gruppe gehört Strobl.
Er steht nun wieder im Rampenlicht. Nicht wegen seiner Arbeit, nicht, weil er den Eurovision Song Contest 2015 erfolgreich organisiert hat, und nicht, weil er den Bau des neuen ORF-Zentrums geleitet hat. Sondern wegen einer Frau, die 22 Jahre jünger ist, in seiner Abteilung arbeitet und Musikerin ist. Wie diese Geschichte ausgeht, ist noch ungewiss. Man könnte sagen, dass es in Pius Strobls Umfeld selten langweilig zugeht. Und es sieht nicht so aus, als würde sich daran in nächster Zeit etwas ändern.
