In Berlin gibt es eine bestimmte Art von Menschen, die jahrelang im Zentrum wichtiger Entscheidungen stehen, ohne dass ihr Name jemals in der Zeitung erscheint. Zu dieser Gruppe gehört Gesa Miehe-Nordmeyer. Wenn man im Bundeskanzleramt nach ihr fragt, bekommt man ein zustimmendes Nicken. Bei einer Google-Suche findet man jedoch nicht viel über sie. Und genau das scheint der ursprüngliche Plan gewesen zu sein.

Da keine öffentlich zugängliche Quelle ihr Geburtsdatum angibt, lässt sich ihr genaues Alter nicht bestimmen. Ihre Lebensgeschichte spricht jedoch für sich: Sie begann 1987 ihr Studium in Mannheim, reiste für ein Jahr nach Wales und promovierte irgendwann zwischen 1994 und 1999 an der Universität des Saarlandes. Unterm Strich ergibt sich das Bild einer Frau, die wahrscheinlich Mitte bis Ende fünfzig ist. Eine Generation, die ihre Karriere nicht mit öffentlicher Selbstvermarktung, einer persönlichen Marke oder LinkedIn aufgebaut hat…“` “` ““ ““` ““ Doch Miehe-Nordmeyer ist nicht nur Beobachterin, als sie im November 2023 nach Genf reist, um mit Vertretern der WHO über die globale Gesundheitsfinanzierung und ein mögliches Pandemieabkommen zu sprechen. Sie führt das Gespräch. Der Leiter des Notfallprogramms der WHO, Dr. Michael Ryan, hört ihr aufmerksam zu. Sie spricht mit dem Chefwissenschaftler der WHO, Dr. Jeremy Farrar, über künstliche Intelligenz und Digitalisierung im Gesundheitswesen. Dieser Besuch ist kein reines Protokoll. Hier geht es um Substanz.
Ihre derzeitige Position stellt den Höhepunkt einer langen Karriere dar, die im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie begann, wo sie in Abteilungen tätig war, die sich mit EU-Strukturpolitik und Kohäsionsfragen befassten – genau den Themen, bei denen es darum geht, wie Europa seine schwächsten Regionen unterstützt. Bei jedem, der sich jahrelang mit Verteilungsmechanismen und supranationalen Verhandlungsprozessen beschäftigt, entwickelt sich ein gewisser politischer Instinkt. Nicht die lautstarke Art, wie sie in Talkshows vorherrscht. In Verhandlungsräumen ist die ruhige Art entscheidend.
Ihre langjährige Karriere im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, wo sie in Abteilungen für EU-Strukturpolitik und Kohäsionsfragen tätig war – genau jene Themen, bei denen es darum geht, wie Europa seine schwächsten Regionen unterstützt –, führte dazu, was sie heute ist. Zunächst arbeitete sie 2010 als Referentin im G7/G20-Sherpa-Stab im Bundeskanzleramt. Nach drei Jahren übernahm sie die Leitung dieses Stabs, einer politisch bedeutenden, aber meist im Verborgenen agierenden Abteilung, die die Positionen des deutschen Bundeskanzlers für wichtige multilaterale Treffen vorbereitet.
Die Staatschefs sind für diejenigen sichtbar, die die G7-Gipfel verfolgen. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass hinter jedem Kommuniqué Dutzende von Gesprächen stehen, die von Personen wie Miehe-Nordmeyer geführt wurden. Möglicherweise hatte sie in den 2010er Jahren einen größeren Einfluss auf die deutsche Außenpolitik, als jemals öffentlich zugegeben würde.
Als Nächstes folgte 2018 die Position als Leiterin des Referats für Sozial-, Gesundheits-, Arbeitsmarkt-, Umwelt- und Gesellschaftspolitik. In Krisenzeiten rückt dieses Thema schlagartig ganz oben auf die politische Agenda. Dies zeigte sich während der COVID-19-Pandemie. Deutschland unterstützte COVAX, organisierte internationale Impfstofflieferungen und half beim Aufbau des „Pandemic and Epidemic Intelligence Hub“ der WHO in Berlin. Im Zentrum all dessen stand Miehe-Nordmeyer – nicht als Sprecherin der Kampagne, sondern als Schöpferin der Rahmenbedingungen, die diese stützen.
Mitte 2025 steht nun ein Führungswechsel bevor. Berichten zufolge wird ihre Nachfolgerin, die der ehemaligen Gesundheitsministerin Nina Warken nahesteht, am 1. August ihr Amt übernehmen. Es gab keine große Ankündigung zu ihrem Ausscheiden. Sie scheint während ihrer gesamten Karriere zurückhaltend, organisiert und professionell gewesen zu sein. Zu behaupten, wir wüssten, was diese Frau als Nächstes tun wird, wäre vermessen. Sie war nie jemand, der über ihre aktuellen Vorhaben gesprochen hat.
Was bleibt, ist ein Beruf, der eine bestimmte Art des öffentlichen Dienstes verkörpert – eine, die eher nach Wirkung als nach Sichtbarkeit strebt. Es ist noch unklar, ob dies die beste Philosophie für die Politik der Zukunft ist, in der öffentliche Überzeugungsarbeit und Kommunikation entscheidend sein werden. Es wäre jedoch falsch, diese Arbeitsweise zu unterschätzen. Manche beständigen Dinge wurden von Unbekannten geschaffen.
