In manche Restaurants geht man einfach so hinein, weil man Hunger hat, weil es in der Nähe liegt oder weil man es nicht besser weiß. Dann gibt es Lokale, von denen man zunächst nur hinter vorgehaltener Hand hört – von Freunden, von einem Forenmitglied aus Innsbruck, von einem Kollegen, der sagt: „Da musst du unbedingt hin.“ Zur zweiten Kategorie gehört das äthiopische Lokal in der Hölinger Au.
Das Restaurant liegt weder in der Fußgängerzone noch in der Altstadt oder in dem Viertel, das Reiseleiter normalerweise ansteuern. Hölinger Au 40b klingt nach einer ruhigen Straße in einem Wohnviertel, die man nur kennt, wenn man weiß, wo man suchen muss. Und genau das ist es auch. Und genau das scheint der Grund zu sein, warum diejenigen, die schon einmal dort waren, immer wieder zurückkehren. Man findet es nicht zufällig. Man wird dorthin geführt.

Das Konzept ist sehr einfach, und genau das macht seinen Reiz aus. Frisch zubereitete äthiopische Küche, serviert auf Injera, einem typischen Sauerteig-Fladenbrot, das gleichzeitig als Teller und Besteck dient. Wer das zum ersten Mal sieht, stockt vielleicht kurz. Man teilt, man weint und man streckt die Hände aus. Weiße Tischdecken und Besteck gibt es hier nicht. Stattdessen erwartet einen ein authentischeres Essenserlebnis.
Das wohl bekannteste Gericht auf der Speisekarte ist Doro Wat, ein langsam geschmorter Hühner-Eintopf mit hartgekochten Eiern und einer Mischung aus Berbere-Gewürzen. Die vegetarischen Kombinationsgerichte sind laut vielen Gästen eine der überraschendsten Entdeckungen des Abends, sodass auch diejenigen, die lieber auf Fleisch verzichten, reichlich Auswahl finden. Bevor man sie probiert hat, ist es kaum zu glauben, dass fermentiertes Brot, Linsen und Hülsenfrüchte eine solche Geschmacksvielfalt entfalten können.
In dieser Stadt ist die 4,9-Sterne-Bewertung aus mehr als 220 Google-Rezensionen keine geringe Leistung. Der Markt in Innsbruck ist hart umkämpft. Die Einheimischen sind noch anspruchsvoller als Touristen. Und dennoch: Die Zahlen ändern sich nicht. Das deutet eher auf etwas Selteneres hin – echte Kundenzufriedenheit – als auf einen Marketingtrick.
Das Selbstverständnis des Restaurants ist ein weiterer faszinierender Aspekt. Auf Instagram präsentiert es sich als „Zentrum der äthiopischen Kultur in den Bergen“. Das mag stimmen, klingt aber für einen Ort mit nur wenigen Tischen doch etwas hochgestochen. Denn wer dort sitzt, bekommt mehr als nur Essen. Man gewinnt ein neues Verständnis davon, was Gastfreundschaft bedeuten kann – eine, die herzlicher, direkter und ruhiger ist als in vielen Restaurants in Europa.
Wird es angeboten, ist das äthiopische Kaffeeritual ganz anders. Einer dieser Momente, in denen man innehält und denkt: „Das ist unglaublich schön“, ist, wenn man äthiopischen Kaffee trinkt, während draußen in der Abenddämmerung die Tiroler Bergwelt zu sehen ist. Vielleicht ist dieses Erlebnis nicht jedes Mal möglich. Dennoch ist es die Art von Ort, an dem man zumindest danach fragen sollte.
Für alle, die schon vor dem Betreten des Lokals wissen möchten, was auf den Teller kommt: Die Speisekarte ist online zu finden, und die Preise liegen zwischen zehn und zwanzig Euro – nicht gerade günstig, wenn man bedenkt, dass ein Mittagessen in Innsbruck leicht mehr kosten kann. Zudem ist das Restaurant bei „Too Good To Go“ gelistet, was darauf hindeutet, dass hier sorgfältig mit Lebensmitteln umgegangen wird.
In jeder Stadt gibt es Restaurants, die keine Werbung benötigen, weil Mundpropaganda ausreicht. Dazu gehört auch das äthiopische Lokal in der Hölinger Au. Vielleicht wird es expandieren. Vielleicht wird sich gar nichts ändern. Beides wäre ideal.
