Nur wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, kann eine bestimmte Art von Ruhm erlangen. 1992 stand Franziska van Almsick, die in ganz Deutschland als “Franzi” bekannt ist, als Vierzehnjährige aus Ostberlin in Barcelona an diesem Scheideweg.
Sie stieg aus einem olympischen Schwimmbecken, mit einer Silbermedaille um den Hals und der Aufmerksamkeit einer wiedervereinigten Nation auf ihren Schultern. Was folgte, war eine der lukrativsten Sportkarrieren der deutschen Geschichte, mit einem Vermögen, das nach einigen Schätzungen Ende der 1990er Jahre bereits 17 Millionen Dollar überstieg.
Obwohl die genaue Summe nie veröffentlicht wurde, wird das Vermögen von Franziska van Almsick auf 10 bis 15 Millionen Euro geschätzt. Das schiere Ausmaß des kommerziellen Interesses, das sie in ihren besten Jahren auf sich zog, ist bekannt und verleiht dieser Zahl volle Glaubwürdigkeit.

Mit sechzehn hatte sie bereits acht Werbeverträge im Gesamtwert von zehn Millionen D-Mark unterzeichnet. Das ist nicht die Gesamtsumme ihrer gesamten Karriere. Das war, bevor sie überhaupt legal Auto fahren durfte.
Das Timing war einer der Gründe, warum sie für Werbekunden so wertvoll war. Van Almsick, die am 5. April 1978 in Ostberlin geboren wurde, wurde nach der Wiedervereinigung zur ersten wirklich gesamtdeutschen Sportikone. Barcelona folgte nur drei Jahre nach dem Fall der Mauer.
Die Marketingbranche erkannte schnell die enorme symbolische Bedeutung einer jungen, attraktiven Schwimmerin aus dem Osten, die Medaillen für ein vereintes Deutschland gewann. Werner Köster, ihr Manager, vermarktete sie geschickt und schuf ein Image rund um den Begriff “Berliner Göre”, was in gewisser Weise bei allen Sympathie weckte.
Ihre Erfolgsbilanz bot den Werbeverträgen eine solide Grundlage. Bei den Weltmeisterschaften 1994 in Rom gewann sie den Weltmeistertitel über 200 Meter Freistil ein Rennen, das sie nach ihrem neunten Platz im Halbfinale fast komplett ausgelassen hätte. Sie brach den Weltrekord, nachdem ihr aufgrund des Rückzugs einer Teamkollegin ein Platz im Finale zugestanden worden war.
Federica Pellegrini brach diesen Rekord 2007 um siebzehn Hundertstelsekunden, nachdem er seit seiner Aufstellung im Jahr 1994 dreizehn Jahre lang Bestand gehabt hatte. 18 Goldmedaillen bei Europameisterschaften, zwei Weltmeistertitel, drei Teilnahmen an den Olympischen Spielen und sechs olympische Bronzemedaillen. Die Bilanz ist herausragend.
Schwimmen war nie ihre einzige Einnahmequelle. Das ist selten der Fall. Van Almsick trat in Werbespots für bekannte deutsche Unternehmen auf, posierte für das Magazin “Maxim” und drang auf eine Weise in die Mainstream-Unterhaltungsbranche vor, wie es den meisten Sportlern niemals gelingt.
Sie schien ein angeborenes Verständnis dafür zu haben oder ihr Management hatte es dass man aktiv werden muss, solange die Menschen noch zuschauen, denn das Zeitfenster für einen solchen kulturellen Moment ist nicht sehr lang. Sie hat sich neu orientiert.
Van Almsick stieg 2004, nachdem sie sich vom Leistungsschwimmen zurückgezogen hatte nachdem sie bei den Olympischen Spielen in Athen mit den Staffelteams Bronze gewonnen hatte in die Medienbranche ein. Sie blieb weiterhin präsent und relevant, indem sie bei mehreren Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften als Co-Kommentatorin für die ARD tätig war.
Zudem begann sie als Synchronsprecherin zu arbeiten und war in den deutschen Fassungen von “Findet Dorie” (2016) und “Cars” (2006) zu hören. 2008 trat sie der Deutschen Sporthilfe bei, einer Stiftung zur Förderung von Spitzensportlern, und stieg schließlich 2010 zum Aufsichtsratsmitglied auf.
Derzeit lebt sie in Heidelberg mit ihren beiden Söhnen und ihrem Lebenspartner Jürgen B. Harder, den sie 2005 kennenlernte. Obwohl sie immer noch gelegentlich in der Öffentlichkeit auftritt, führt sie heute ein zurückhaltenderes Leben als das, das früher von den Kameras begleitet wurde. Im Jahr 2021 nahm sie als Kandidatin an der Show “The Masked Singer” teil und trat als Einhorn auf was irgendwie sehr gut zu jemandem passt, der dreißig Jahre lang alle Erwartungen übertroffen hat.
Es ist schwer zu übersehen, wie bewusst sie die Zeit nach ihrer Wettkampfkarriere gestaltet hat. Die Autorennennen in Kinderbüchern, die Arbeit im Rundfunk und die Rolle als Stiftungsleiterin sind Beispiele für ein Portfolio, das nicht einfach so entsteht. Es ist unklar, ob Franziska van Almsicks Vermögen seit ihrer Zeit als Schwimmerin gewachsen ist, konstant geblieben ist oder sich dramatisch verändert hat. Die Stiftung wurde schnell und frühzeitig gegründet und basiert auf mehr als nur dem Talent zum Schwimmen.
