Wenn man eine bestimmte Art von Museum besucht, vergisst man leicht, dass man sich in einem Museum befindet. Keine “Bitte nicht anfassen”-Schilder, keine ehrfürchtige Stille und keine Glasvitrinen voller Gegenstände, für die sich normale Menschen schon seit Jahrhunderten nicht mehr interessieren. Ein solcher Ort war das Deutsche Currywurst-Museum in Berlin, das mit seiner Schließung im Dezember 2018 etwas wahrhaft Unersetzliches mit sich fortgenommen hat.
Auf den ersten Blick wirkt die Idee wie ein Scherz. Ein ganzes Museum, das einer Wurst gewidmet ist, die mit Currypulver und gewürztem Ketchup überzogen ist. Man kann sich das Pitch-Meeting förmlich vorstellen. Ein Rundgang durch das Museum war jedoch etwas ganz anderes. Schnüffeln, Anfassen, an Holzschubladen ziehen, Deckel von Stangen abheben, um die darin enthaltenen Gewürze zu erraten, und Ketchupflaschen.
Wie einen Telefonhörer ans Ohr halten, um Geschichten zu hören all das gehörte zu den interaktiven Exponaten. Kinder waren begeistert. Erwachsene fanden es mit einem Hauch von Verlegenheit besser. Das gesamte Projekt wurde mit einem Maß an Können und Sorgfalt gestaltet, das in Museen mit weitaus ambitionierteren Themen selten anzutreffen ist.

Das Museum hat die wirklich faszinierende Entstehungsgeschichte der Currywurst gut erklärt. Das Gericht soll 1949 von der Berliner Straßenverkäuferin Herta Heuwer an einem regnerischen Septembernachmittag kreiert worden sein, als das Geschäft schleppend lief. Sie mischte spontan zehn oder zwölf Gewürze zusammen und goss sie über eine gebratene Wurst. Im Nachkriegsberlin musste Essen schnell, erschwinglich und sättigend sein.
Alle drei waren in der Currywurst enthalten. Sie verbreitete sich. Sie blieb bestehen. Jahrzehnte später war sie so tief in der Berliner Identität verwurzelt, dass ernsthafte Diskussionen über eine geschützte Ursprungsbezeichnung begannen eine kulturelle Auszeichnung, die normalerweise dem Champagner oder dem Parmigiano-Reggiano vorbehalten ist, nicht aber Fast Food.
Das Museum erkannte, dass Streetfood manchmal Sozialgeschichte auf eine Weise vermittelt, wie es die offizielle Geschichtsschreibung nicht tut und genau das machte den Erfolg aus. Der Gewürzraum mit seinen farbcodierten Schubladen, die Texttafeln in Sprechblasenform und die vergrößerten Fotos an den Wänden waren keine Spielereien.
Diese Entscheidungen wurden von Menschen getroffen, denen klar war, dass man, um die Liebe einer Stadt zu einer bestimmten Wurst zu erklären, auch die Stadt selbst erklären muss. Die Currywurst entstand in den 1950er Jahren in Berlin einer Zeit der Rationierung, der Trümmer und der Arbeiter, die nach einer langen Schicht etwas Warmes und Preiswertes brauchten. Hinter jedem Papierschalenfach verbirgt sich dieser Kontext.
Als das Museum schloss, war es schwer, sich des Gefühls zu erwehren, dass Berlin etwas Besonderes verloren hat. Nichts Tragisches oder Unersetzbares, aber dennoch Bemerkenswertes. Im Vergleich zu anderen Städten verfügt Berlin über erstklassige Kunstinstitutionen, bedeutende historische Stätten und eine Gedenkkultur, die ernst genommen wird.
Das Currywurst-Museum verfolgte einen anderen Ansatz und argumentierte mit einem Hauch von Humor, dass auch das Alltägliche einer Untersuchung bedürfe. Von einer Soße, die 1949 von einer Frau an einem Straßenstand unbeabsichtigt kreiert wurde, können wir genauso viel über das städtische Leben lernen wie von allem, was an einer Galeriewand ausgestellt ist.
Ein Teil dieser Geschichte wird von den fünf oder sechs bekannten Currywurst-Ständen, die in ganz Berlin noch in Betrieb sind, auf ihre eigene Weise erzählt. Curry 36 in Kreuzberg, Konnopke’s im Prenzlauer Berg und so weiter. Man isst von einem Pappteller mit einer kleinen Holzgabel, während man in der Schlange steht zusammen mit Bankern, Touristen und älteren Damen, die seit vierzig Jahren denselben Stand besuchen. Der gesamte Vorgang hat etwas subtil Demokratisches an sich. Das Museum bot einen Rahmen für dieses Ritual. Man isst die Wurst zwar auch ohne ihn, tut dies aber mit etwas weniger Achtsamkeit.
Gerüchten zufolge war das Museum nie als Dauerausstellung gedacht, und die Schließung war nicht ganz so tragisch, wie es von außen den Anschein hatte. Eine Wanderausstellung, eine Art mobile Wiederauferstehung, wurde ebenfalls diskutiert. Es ist immer noch nicht ganz klar, ob das jemals zustande gekommen ist.
Die Vorstellung, dass eine Stadt, die für ihre Erneuerung und ihren kulturellen Anspruch bekannt ist, einen Ort haben sollte, an dem eine Bratwurst ernst genommen wird, ist unbestreitbar. Nicht ironisch gemeint. Nicht im Scherz. Es ist genau das, was es ist: ein winziges, scharfes, fettverschmiertes Stück Geschichte
