In Einzimmerwohnungen, Wohngemeinschaften, Wohnungen im ersten Stock und kleinen Küchen in ganz Großbritannien und darüber hinaus vollzieht sich gerade eine subtile Veränderung: Dort drängen sich zusammengewürfelte Stühle um Tische, die kaum groß genug sind, um vier Teller unterzubringen. Das Abendessen wird wieder von jungen Menschen zubereitet einer Bevölkerungsgruppe, von der man glaubte, sie hätte den Esstisch zugunsten des Essens am Schreibtisch und der Ablenkung durch das Scrollen abgeschafft. Passende. Oder so etwas in der Art.
Dies mag durch etwas Instinktiveres motiviert sein als sentimentale Nostalgie die Suche nach einem Ritual, der Wunsch, etwas Sinnvolles statt nur Praktisches zu tun, um den Tag ausklingen zu lassen. Nahrung ist eine Schüssel Müsli vor dem Laptop um neun Uhr abends. Ein bewusst zubereiteter Teller mit Eiern auf Toast, der ohne Bildschirm verzehrt wird, ist etwas völlig anderes.
Essenskundler haben längst erkannt, dass die Essgewohnheiten der Menschen am Abend mehr verraten als nur ihren Appetit. Die Untersuchung, wie Gemeinschaften Mahlzeiten zubereiten, zeigt, wie sie ihre Zeit einteilen, wen sie für wichtig halten und wie ihrer Meinung nach ein typischer Tag aussehen sollte.

Welsh Rarebit, Bohnen auf Toast, Sardinen auf Crackern oder ein Teller mit Aufschnitt und Brot waren allesamt gängige Abendimbisse, aber sie waren nie besonders beeindruckend. Das sollte sie auch gar nicht sein. Sie sollten den Abend auf unaufgeregte, unkomplizierte Weise ausklingen lassen. Für eine Generation, die der Inszenierung des zeitgenössischen Essens überdrüssig ist, ist genau das der Reiz.
Trotz ihrer faktischen Dominanz hat man den Eindruck, dass jüngere Verbraucher hochverarbeitete Fertiggerichte mittlerweile als eine Art Niederlage empfinden, wie es ältere Generationen nicht taten. Auch wenn sie selbst kaum jemals gekocht haben, ist sich diese Generation ungewöhnlich bewusst, wie echtes Kochen aussieht und schmeckt, da sie damit aufgewachsen ist, auf jeder erdenklichen Plattform Inhalte rund ums Essen zu verfolgen. Es liegt eine seltsame Befriedigung darin, jemandem dabei zuzusehen, wie er Brot langsam über einer Flamme röstet oder dünn geschnittenen Aufschnitt auf Roggenbrot streicht. Einige von ihnen haben schließlich angefangen, es selbst zu tun.
Die Wirtschaft, die dazu neigt, alles zu beeinflussen, trägt ebenfalls zu dieser Renaissance bei. Auswärts essen ist teuer. Fertiggerichte versprachen Einfachheit, erwiesen sich aber als kompliziert. Apps für Essen zum Mitnehmen bieten eine große Auswahl, lassen aber Gemütlichkeit vermissen. Der klassische Snack, der aus vier oder fünf preiswerten Zutaten besteht, die sich in weniger als zehn Minuten zusammenstellen lassen, nimmt derzeit eine Sonderstellung ein, die nichts anderes erreichen kann.
Die soziale Dimension ist faszinierender, aber schwieriger zu erklären. Diese einfachen Abendmahlzeiten werden wieder gemeinsam eingenommen. Nicht als Veranstaltungen, nicht als Dinnerpartys, sondern einfach als ganz normaler Abschluss eines gemeinsam verbrachten Tages. Darin liegt etwas, das die Esskultur in den letzten 20 Jahren unbeabsichtigt zunichte gemacht hat, indem sie das gemeinsame Essen durch die individuelle Bestellung und den gemeinsamen Tisch durch das individuelle Erlebnis ersetzt hat.
Ob es sich dabei um eine vorübergehende Modeerscheinung oder eine dauerhafte Veränderung handelt, ist noch umstritten. Ernährungstrends entzünden sich oft wie ein Lauffeuer und verglühen dann wieder. Es fällt schwer, nicht den Eindruck zu gewinnen, dass sich hier etwas Authentisches wieder durchsetzt, wenn man beobachtet, wie sich jemand an einem Dienstag um neun Uhr sorgfältig, ganz ohne Eile und ganz unbefangen, ein Stück Käse auf Toast zubereitet. Wenn es eine Renaissance des Abendessens gibt, muss sie nicht revolutionär sein. Sie muss sich einfach nur wie zu Hause anfühlen.
